Bei Bauarbeiten wird ein Kampfmittel gefunden. Es gilt, einen Evakuierungsradius einzurichten, Anwohner zu betreuen, einen Sperrkreis zu besetzen und über Stunden mit Polizei und Kampfmittelräumdienst zusammenzuarbeiten. Die Übung trainiert die flächige Koordination einer langen Lage mit mehreren beteiligten Organisationen.
Bei Erdarbeiten auf einer Baustelle im Ortskern stößt ein Bagger auf einen verdächtigen metallischen Gegenstand. Der Kampfmittelräumdienst bestätigt: eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, Entschärfung erforderlich. Rund um den Fundort muss ein Evakuierungsradius eingerichtet werden — Wohnhäuser, ein Pflegeheim und mehrere Betriebe liegen im betroffenen Bereich. Die Feuerwehr ist Teil eines Stabes aus Polizei, Ordnungsamt, Rettungsdienst und Räumdienst.
Das Besondere an dieser Lage ist ihre Dauer und Breite: Über mehrere Stunden müssen Hunderte Menschen aus dem Sperrkreis gebracht, betreut und kontrolliert werden. Das Pflegeheim erfordert besondere Aufmerksamkeit — bettlägerige Personen müssen mit dem Rettungsdienst transportiert werden. Erst wenn der Sperrkreis nachweislich vollständig geräumt und besetzt ist, kann der Räumdienst mit der Entschärfung beginnen. Jede unkontrollierte Lücke verzögert den gesamten Ablauf.
Der Kern der Übung ist die strukturierte Koordination einer Flächenlage mit klaren Zuständigkeiten: Wer räumt welchen Abschnitt, wer besetzt welchen Absperrpunkt, wann ist ein Bereich nachweislich frei? Die Führung muss den Überblick über viele parallele Abschnitte behalten und sauber mit den anderen Organisationen abstimmen — denn die Freigabe zur Entschärfung darf erst erfolgen, wenn jeder einzelne Abschnitt bestätigt geräumt ist.
Die folgende Skizze ist ein Vorschlag. Eine Bombenfund-Übung lässt sich gut als Planübung (Stabsrahmenübung) am Tisch durchführen, ohne dass real evakuiert werden muss. Die Zeitangaben sind stark gerafft — real dauert eine solche Lage viele Stunden.
Der Räumdienst bestätigt den Fund und gibt den erforderlichen Evakuierungsradius vor. Der Stab legt den Sperrkreis fest, teilt ihn in Abschnitte und ordnet jedem Abschnitt Kräfte zu. Die Absperrpunkte am äußeren Rand werden besetzt.
Die Abschnitte werden systematisch geräumt. Jeder Trupp meldet, wenn sein Abschnitt vollständig evakuiert ist. Das Pflegeheim wird mit dem Rettungsdienst priorisiert abgearbeitet. Die Führung führt Buch, welche Abschnitte bereits bestätigt frei sind und welche noch offen.
In einem Abschnitt weigert sich ein Anwohner, seine Wohnung zu verlassen. Dieser Abschnitt kann nicht freigegeben werden — und ohne ihn keine Entschärfung. Die Führung muss mit der Polizei abstimmen und darf den Abschnitt nicht versehentlich als geräumt melden. Hier zeigt sich, ob der Nachweis-Mechanismus diszipliniert eingehalten wird.
War der Sperrkreis lückenlos besetzt, bevor die Freigabe zur Entschärfung erfolgte? Wurde jeder Abschnitt nachweislich bestätigt, oder gab es eine vorschnelle Freigabe? Funktionierte die Abstimmung mit Polizei und Räumdienst? Wurde das Pflegeheim rechtzeitig und richtig priorisiert? Behielt die Führung über die lange Lage den Überblick?
Eine Bombenfund-Lage ist immer eine Zusammenarbeit mehrerer Organisationen. Diese Übersicht hilft, die Aufgaben vor der Übung klar zu verteilen — und im Stab zu trainieren, an den Schnittstellen sauber abzustimmen. Die genaue Aufteilung kann je nach Region und Struktur variieren.
Bei einer Lage, die sich über Stunden zieht und viele Abschnitte umfasst, ist der entscheidende Punkt der Nachweis: Welcher Abschnitt ist wirklich geräumt, welcher nur vermeintlich? Auf einem Papierplan mit Notizen verliert man bei einem Dutzend Abschnitten schnell den sicheren Überblick — und gerade hier wäre ein Fehler fatal, weil eine vorschnelle Freigabe Menschen gefährdet. Genau diesen lückenlosen Status-Überblick braucht die Führung.
Der Evakuierungsradius liegt als Sperrkreis auf der Karte, unterteilt in Abschnitte. Jeder Abschnitt zeigt seinen Status — noch offen, in Bearbeitung oder bestätigt frei. Die Führung sieht auf einen Blick, ob der Kreis vollständig ist, bevor sie die Freigabe erteilt.
Jeder Kontrollpunkt am Sperrkreis ist einer Einheit zugewiesen und auf der Karte sichtbar. So ist jederzeit klar, welcher Punkt besetzt ist und wo noch eine Lücke klafft — die Grundvoraussetzung für eine sichere Freigabe.
Jede Abschnitts-Freigabe wird mit Zeitstempel und meldender Einheit festgehalten. So entsteht ein lückenloser Nachweis, der auch im Realeinsatz rechtlich bedeutsam ist: Wer hat wann welchen Abschnitt als geräumt gemeldet.
In der Auswertung lässt sich der gesamte Räumungsverlauf nachzeichnen: Welcher Abschnitt wurde wann freigegeben, wo entstanden Verzögerungen, und vor allem — war wirklich jeder Abschnitt bestätigt, bevor die Entschärfung freigegeben wurde? Bei einer Lage, in der ein einziger übersehener Abschnitt Menschen gefährdet, ist dieser lückenlose Nachweis der wertvollste Lerneffekt überhaupt.
In der Live-Demo zeigen wir dir, wie sich dieses Szenario in Taktio aufbauen lässt.
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