Ein Unwetter erzeugt zahlreiche verteilte Einsatzstellen im ganzen Ausrückebereich. Die Fahrzeuge werden einzeln losgeschickt und erhalten ihre konkrete Aufgabe erst vor Ort über einen hinterlegten Zettel — von der einfachen Meldelage bis zum echten Löschangriff. Trainiert werden Koordination, Eigenständigkeit und das Lagemanagement der Einsatzleitung.
Ein schweres Unwetter ist über den Ausrückebereich gezogen. Innerhalb kurzer Zeit gehen zahlreiche Notrufe ein: vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume auf Fahrbahnen, ein abgedecktes Dach, eine eingeschlossene Person in einer Tiefgarage. Die Einsatzstellen liegen über das gesamte Gemeindegebiet verteilt. Mehrere Fahrzeuge der Wehr sind im Einsatz, jedes muss eigenständig zu seinem Einsatzort fahren und dort die Lage abarbeiten.
Das Besondere an dieser Übung: Die Einsatzleitung kennt die Stellen, aber die einzelnen Trupps wissen vorab nicht, was sie vor Ort erwartet. An jeder Einsatzstelle liegt ein vorbereiteter Zettel, der die konkrete Lage und Aufgabe beschreibt. So muss jeder Trupp eigenständig erkunden, melden und entscheiden — ganz wie im realen Unwettereinsatz, wo die Leitstelle die genaue Lage vor Ort auch nicht kennt. Während die Trupps arbeiten, kommen über die Einsatzleitung neue Stellen hinzu, obwohl die Kräfte längst gebunden sind.
Der Kern liegt im Lagemanagement: Die Einsatzleitung muss den Überblick über viele parallele Stellen behalten, Prioritäten setzen (die eingeschlossene Person vor dem vollgelaufenen Keller ohne Personengefahr) und Fahrzeuge sinnvoll nachsteuern, wenn neue Meldungen eintreffen. Für die Trupps wiederum ist die Herausforderung, vor Ort eigenständig die richtige Maßnahme zu wählen und sauber zurückzumelden — statt auf detaillierte Anweisungen zu warten.
Die folgende Skizze ist ein Vorschlag. Die Vorbereitung der Stationen mit Zetteln macht etwas Aufwand, lässt sich aber wiederverwenden. Die Zeitangaben sind Richtwerte.
Vor der Übung werden an den ausgewählten Orten die vorbereiteten Aufgabenzettel hinterlegt (wetterfest, z.B. in Klarsichthülle). Jede Station bekommt eine eindeutige Bezeichnung, die mit der Einsatzleitung abgestimmt ist. Die Einsatzleitung hat eine Übersicht aller Stationen, die Trupps nicht.
Die Einsatzleitung schickt die ersten Fahrzeuge zu den dringendsten Stellen. Jeder Trupp fährt eigenständig, findet vor Ort den Zettel, meldet die Lage zurück und beginnt mit der Abarbeitung. Die Einsatzleitung führt parallel Buch, welches Fahrzeug wo gebunden ist.
Während alle Fahrzeuge gebunden sind, meldet die Einsatzleitung neue Einsatzstellen — darunter eine mit Personengefahr. Jetzt muss priorisiert werden: Welcher Trupp wird von seiner laufenden, weniger dringenden Aufgabe abgezogen? Wer übernimmt die neue, kritische Stelle? Hier entscheidet sich die Qualität der Führung.
Wurden die Stellen mit Personengefahr zuerst bedient? Wo entstanden Wartezeiten, weil keine Einheit frei war? War der Funkverkehr diszipliniert, oder gab es Stau auf dem Kanal? Haben die Trupps eigenständig und richtig gemeldet? Welche Station hat besonders gut oder schlecht funktioniert?
Die Stationen lassen sich in zwei Typen einteilen. Meldelagen trainieren vor allem Erkundung, Funkdisziplin und Entscheidung — der Trupp meldet die Lage und führt eine überschaubare Maßnahme aus. Aufgabenstationen verlangen echtes handwerkliches Tun und binden den Trupp länger. Eine gute Mischung hält alle Kräfte unterschiedlich lange gebunden — genau das erzeugt den Koordinationsdruck für die Einsatzleitung.
Zettel: „Wasser steht 30 cm im Heizungskeller, keine Person betroffen." Trupp meldet Lage, beginnt mit Auspumpen. Bindet Kräfte, ist aber unkritisch — ideal als Abzugs-Kandidat, wenn etwas Dringendes hinzukommt.
Zettel: „Mittelgroßer Baum quer über Gemeindestraße, kein Verkehr eingeschlossen." Trupp meldet, sichert die Stelle und beginnt mit der Beseitigung.
Zettel: „Sturmschaden am Dach, einzelne Ziegel drohen zu fallen, Gehweg darunter." Trupp meldet, sperrt den Gefahrenbereich ab — eine reine Sicherungslage ohne Höhenrettung.
Zettel: „Wasser steigt in Tiefgarage, eine Person auf einem Fahrzeugdach eingeschlossen." Echte Rettungsaufgabe mit Personengefahr — höchste Priorität. Trainiert Rettung aus schwieriger Lage unter Zeitdruck.
Zettel: „Durch Blitzschlag brennt eine Gartenhütte, Übergriff auf Carport droht." Vollwertiger Löschangriff: Wasserentnahme, Leitung legen, vornehmen. Bindet einen Trupp für längere Zeit.
Zettel: „Schaf in überflutetem Graben, kommt nicht heraus." Technische Rettung aus blöder Lage — kreatives Vorgehen gefragt, gut für Teamarbeit und Improvisation.
Genau bei dieser Übungsform stößt Papier schnell an Grenzen: Die Einsatzleitung muss zehn oder mehr verteilte Stellen gleichzeitig im Blick behalten — welches Fahrzeug ist wo, welche Stelle ist abgearbeitet, wo wartet noch etwas. Auf einem Zettel-Lageplan verliert man diesen Überblick schnell, und hinterher lässt sich kaum noch rekonstruieren, in welcher Reihenfolge die Stellen bedient wurden und wo wertvolle Zeit verging.
Jede Einsatzstelle wird auf der Karte verortet und einem Fahrzeug zugeordnet. Die Einsatzleitung sieht auf einen Blick, wo welcher Trupp gebunden ist und welche Stellen noch offen sind — genau der Überblick, der auf dem Papierplan verloren geht.
Über den Status meldet jeder Trupp, ob er anfährt, an der Stelle arbeitet oder wieder frei ist. Die Einsatzleitung erkennt sofort, welches Fahrzeug für eine neu hinzukommende Stelle verfügbar wäre — die Grundlage für gutes Nachsteuern.
Die neuen Einsatzstellen, die mitten in der Lage hinzukommen, lassen sich als zeitgesteuerte Ereignisse vorplanen. Sie erscheinen automatisch zum richtigen Zeitpunkt — die Übungsleitung muss nicht daran denken, sondern kann die Reaktion der Führung beobachten.
In der Auswertung steht damit der gesamte Lageverlauf als Zeitleiste bereit. Die Einsatzleitung kann konkret zeigen: Diese Stelle mit Personengefahr meldete sich um 00:25 — bedient wurde sie aber erst um 00:34, weil kein Fahrzeug frei war. Solche belegten Zeitlücken sind Gold für die Nachbesprechung, weil sie Priorisierungsfehler sichtbar machen, die im Eifer des Gefechts niemandem auffallen.
In der Live-Demo zeigen wir dir, wie sich dieses Szenario in Taktio aufbauen lässt.
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